Handlungsfelder

Der NMMT definiert zentrale strategische Handlungsfelder und ordnet diesen konkrete Aktionen zu. Er ist dynamisch, modular und entwicklungsoffen angelegt, d. h. es können zukünftig weitere Maßnahmen hinzugefügt bzw. bestehende präzisiert oder als erledigt gekennzeichnet werden. Hierfür wird ein Monitoringprozess organisiert. In dessen Zentrum steht ein in der Regel jährliches Treffen der Beteiligten unter Leitung des Maritimen Koordinators der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Wichtige Impulse für die Umsetzung müssen aber von allen Beteiligten, also Unternehmen, Bundesregierung, Bundesressorts, Ländern sowie Instituten und Forschungseinrichtungen kommen. Die Umsetzung erfordert eine intensive Vernetzung und Kooperation aller Akteure.

Der Masterplan definiert sechs strategische Handlungsfelder. Darüber hinaus werden Leuchtturm- und Referenzprojekte identifiziert.

Leitthemen sowie Leuchtturmprojekte, Demonstrationsvorhaben und Referenzprojekte:

In der ersten Rubrik (0.1) werden für die verschiedenen Anwendungsfelder das oder die wichtigsten technologischen Leitthemen aufgeführt. Für den Bereich Offshore Öl und Gas ist dies beispielsweise die Entwicklung von Technologien wie Bohr- und Pumptechnik für große Wassertiefen, für Offshore Wind die Erprobung und Optimierung neuer Technologien, z. B. in einem zweiten Testfeld.

Unter der zweiten Rubrik (0.2) bietet der Aktionsplan die Möglichkeit, einzelne Projekte herauszustellen. Diese können beispielsweise aus dem Bereich der Forschung und Entwicklung stammen oder aber auch wichtige Referenzprojekte zur Vermarktung von meerestechnischen Systemen sein (Leuchtturmprojekt „Maritime Sicherheit“ mit dem Demonstrationsvorhaben „Sicherheit in der deutschen Bucht“ (MARISSA).

Stärkung von Forschung und Entwicklung

Damit deutsche Unternehmen auf den Zukunftsmärkten der Meerestechnik hohe Marktanteile verwirklichen können, muss in die Entwicklung zukünftig erforderlicher Technologien rechtzeitig investiert werden. In der Meerestechnik liegt die FuE-Tätigkeit der Unternehmen etwas über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Der Anteil der Unternehmen, die Prozess- oder Produktinnovationen einführen, liegt sogar bei 72 % (29 Prozentpunkte über dem gesamtwirtschaftlichen Wert). Der Großteil der FuE-Ausgaben wird von den Unternehmen selbst getragen und initiiert. Sie müssen durch  eine effiziente, verlässliche und strategisch langfristig ausgerichtete FuE-Förderung unterstützt werden. Zentrale FuE-Programme sind das BMWi-Programm „Maritime Technologien der nächsten Generation“ oder die BMU-Forschungsförderung der erneuerbaren Energien, darunter die Offshore Windenergie und die Meeresenergien.

Die Meerestechnik bzw. die gesamte maritime Technik müssen als Schlüsseltechnologie in der Hightechstrategie der Bundesregierung verankert bleiben. Wichtiges Thema zur Erhöhung der Effizienz der FuE-Förderung ist es, die Förderung entlang von Wertschöpfungsketten zu sichern, indem zum Beispiel die Förderprogramme der verschiedenen Ressorts stärker aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.

Einen großen Beitrag leistet die FuE-Förderung zur Erhöhung der Systemfähigkeit deutscher Unternehmen. Sie werden in der Regel als Verbundfinanzierung ausgestaltet, die das Zusammenwirken von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen begünstigt.

Große Möglichkeiten bietet auch die Forschungsförderung der EU, die zukünftig stärker genutzt werden muss.

Exportförderung und Erschließung von Märkten

Die Meerestechnik profitiert bereits von den klassischen Instrumenten zur Förderung der Außenwirtschaft. Dazu gehören Messebeteiligungen, Delegationsreisen, politische Flankierung oder Finanzierungsinstrumente. Hierbei können insbesondere gezielte Maßnahmen - wie die Teilnahme deutscher politischer Vertreter auf internationalen Branchenkonferenzen und Messen - wirkungsvoll sein.

Wichtige Themen sind darüber hinaus die Erhöhung des deutschen Einflusses auf Normung und Standardisierung. Ebenfalls sollen Möglichkeiten identifiziert werden, die entwicklungspolitische Zusammenarbeit durch Projekte der Meerestechnik zu unterstützen. Darüber hinaus sollte der Staat seine Möglichkeiten ausschöpfen, durch ein modernes und effizientes Beschaffungswesen innovativen Produkten zum Durchbruch zu verhelfen.

Systemintegration/strategische Partnerschaften/Netzwerkbildung

Um den deutschen Weltmarktanteil an der Meerestechnik signifikant zu erhöhen, muss die Systemkompetenz deutscher Unternehmen erheblich ausgebaut werden. Diese Entwicklung sollte im Kern von den Unternehmen vorangetrieben werden. Unterstützt wird dieser Prozess - wie bereits dargestellt - durch die Verbundförderung bei FuE-Programmen. Wünschenswert wären große Systemführer oder nachfragekräftige Unternehmen, wie sie in manchen anderen Ländern meist aufgrund spezifischer Voraussetzungen vorhanden sind. Dieses Thema wird im Zusammenhang mit der Sicherheit der Rohstoffversorgung aufgegriffen, wo die Einrichtung einer nationalen Arbeitsgemeinschaft für marine mineralische Rohstoffe (AMR) vorgeschlagen wird.

In Deutschland existieren bereits vielfältige Initiativen, um die meerestechnischen Unternehmen bzw. Forschungseinrichtungen stärker miteinander zu vernetzen. Es zeigt sich, dass die Meerestechnik insgesamt gut untereinander vernetzt ist, wobei es Unterschiede in den einzelnen Anwendungsfeldern gibt. Der Masterplan soll auch einen Anstoß dazu geben, dass die Initiativen zur Clusterbildung und Vernetzung durch Koordinierung und Abstimmung effektiver werden.

Ein weiterer viel versprechender Ansatz ist der von der Stiftung Offshore Windenergie mit Unterstützung des BMWi ins Leben gerufene Ständige Arbeitskreis Vernetzung der Maritimen Wirtschaft mit der Offshore-Windenergiebranche.

Fachkräfte gewinnen/Aus- und Weiterbildung stärken

Wie andere Wirtschaftsbranchen steht auch die Meerestechnik vor der Herausforderung, hochqualifizierte Arbeitskräfte zu rekrutieren. Davon hängt es ab, dass Unternehmen erfolgreich in dieser Hightech-Branche agieren und wachsen können. Eine qualitative und quantitative Bedarfsanalyse einschließlich relevanter technischer Ausbildungsstandards ist erforderlich, um Maßnahmen entwickeln zu können. Themen sind hierbei die Einführung von dualen Studiengängen, Erweiterung von Curricula und andere. Einige Arbeitsgruppen und Initiativen haben bereits begonnen, sich mit der Thematik zu befassen, insbesondere auf dem neuen Technologiefeld der Offshore Windenergie. Damit beschäftigt sich u.a. die Stiftung Offshore Windenergie in der Fachgruppe ‚Aus und Weiterbildung’ des Ständigen Arbeitskreises ’Vernetzung der maritimen Wirtschaft mit der Offshore-Windenergiebranche’.

Eine weitere Chance besteht in einer geschlossenen koordinierten Außendarstellung der Meerestechnik insgesamt als junge, innovative und facettenreiche Zukunftsbranche.

Rahmenbedingungen gestalten

Die deutsche Meerestechnik braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die dieser Zukunftsbranche förderlich sind. Hierzu gehören allgemein Finanzierungsthemen, funktionierende schnelle Genehmigungsverfahren, strategische Diskurse oder die Mitgestaltung in internationalen Gremien wie der IMO, EU, UN, ISBA.

Branchenbild und öffentliche Wahrnehmung verbessern

Ein wichtiges Ziel ist es, die Meerestechnik stärker als eine zusammengehörige Branche in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und permanent zu positionieren. Die Meerestechnik ist für die Menschen in vielerlei Hinsicht von großer Bedeutung. Es braucht herausragende Technologien, um die Möglichkeiten des Meeres nachhaltig nutzen zu können. Die Gewichtung von Sicherheit, Umwelt- und Naturschutz in der Meerestechnik führt außerdem zu einer größeren Akzeptanz. Die sichere Förderung von Öl und Gas aus dem Meer oder auch anderer Rohstoffe ist in den nächsten Jahrzehnten nur möglich, wenn die Meerestechnik zuverlässige neue Technologien entwickelt. Dieser positive Aspekt soll stärker gewürdigt werden.

Zur Darstellung der Potenziale der Meerestechnik ist es beispielsweise vorgesehen, die wichtige Branchenmesse für maritime Technologien, die SMM (Schiff, Maschine, Meerestechnik) in Hamburg zu nutzen oder die Einführung eines nationalen Meerestechnikpreises zu prüfen.

Sonstiges/Umsetzung

Damit der NMMT Wirksamkeit entfaltet, kann die Umsetzung bzw. die Herausbildung notwendiger Strukturen unterstützt werden.